Tiefenhypnose

Tiefenhypnose: Somnambulismus und Esdaile Zustand

Tiefenhypnose bezeichnet besonders tiefe Entspan- nungszustände während der Hypnose. Dabei sind zwei Zustände mit ausgeprägter Hypnosetiefe interessant:

Somnambulismus

Auf dem Gebiet der Hypnose bezeichnet der Somnam- bulismus nicht das Schlafwandeln, sondern einen tiefen Trancezustand. In ihm können durch Suggestion Phänomene wie Amnesie, Revivifikation oder positive und negative Halluzinationen erzeugt werden.

Durch entsprechende Suggestionen kann eine vollständige Schmerzfreiheit erreicht werden. In leichteren Hypnosestadien ist dagegen maximal eine Schmerzlinderung möglich.

Im Somnambulismus kann der Hypnotisand alles zu seiner Realität machen, sofern er die entsprechenden Suggestionen mag und akzeptiert. Daher können auch sehr bizarre posthypnotische Suggestionen Wirksamkeit entfalten.

Bitter and sweet, onion and apple © EtyEin Beispiel dafür ist der Teilnehmer einer Hypnoseshow, der eine Zwiebel isst und sie für einen Apfel hält. Außerdem kann es im Somnambulismus manchmal zu einer spontanen Amnesie kommen. Der Hypnotisand kann sich dann hinterher bewusst nicht mehr erinnern, was passiert ist, während er in Hypnose war.

Der Somnambulismus ist in meinen Augen die Arbeits- ebene der Hypnose. Dieser Zustand ist absolut unentbehrlich, um eine dauerhafte Heilung zu erreichen.

Er ist Voraussetzung für eine Regression. Die Alters- regression ist nötig, um die emotionalen Ursachen für Ihre Probleme oder Krankheiten aufzudecken.

Die meisten Hypnotiseure und Therapeuten arbeiten mit leichten bis mittleren Hypnosetiefen. Insbesondere Anhänger der Hypnosetherapie nach Milton Erickson vertreten häufig die Ansicht, dass diese für eine erfolgreiche Therapie geeigneter seien.

Tatsächlich sind alle therapeutischen Ansätze, die in leichter bis mittlerer Trancetiefe wirken, im Somnam- bulismus viel wirksamer.

Regressionen, Teilearbeit (Parts Therapy) und andere sehr effektive therapeutische Interventionen bedürfen dagegen des Somnambulismus und sind mit weniger tiefen Hypnosestadien nicht zu erreichen. Nur im Somnambulismus kann wirklich die Ihrer Erkrankung zugrunde liegende emotionale Ursache gefunden und dauerhaft erfolgreich therapiert werden. Andernfalls sind bestenfalls vorübergehende Erfolge zu erwarten.

Esdaile Zustand

Der Esdaile Zustand ist ein sehr tiefes Stadium der Hypnose, das irreführenderweise auch als hypnotisches Koma bezeichnet wird. In diesem Zustand tritt spontan eine vollständige Anästhesie (Schmerzfreiheit) auf, die sogar Operationen zulässt. Die hypnotische Anästhesie ist effektiver als jedes Schmerzmittel und vollkommen frei von Nebenwirkungen.

Der Esdaile Zustand ist eine sehr angenehme Ebene der Hypnose, in der Sie keinerlei Sorgen oder Probleme verspüren – weder körperlicher noch seelischer Art.

Benannt ist das hypnotische Koma nach dem britischen Arzt James Esdaile, der im 19. Jahrhundert in Kalkutta über tausend schwere Operationen mit Patienten durchführte, welche er zuvor ins hypnotische Koma versetzt hatte. Zu dieser Zeit war das Chloroform noch nicht erfunden worden, so dass Operationen üblicherweise ohne Narkose durchgeführt wurden.

Bevor Esdaile mit hypnotischer Anästhesie zu arbeiten begann, starb die Hälfte seiner Patienten an den Folgen der Eingriffe. Eine damals durchaus normale Quote. Die Eingriffe mit Hilfe des hypnotischen Komas führten dazu, dass keiner seiner Patienten mehr an den direkten Operationsfolgen verstarb!

Esdaile liess seine Patienten von Helfern mit Mesmerschen Streichungen über teilweise mehrere Tage so konditionieren, dass sie die für eine spontane Schmerzfreiheit nötige Trancetiefe erreichten.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts bekamen es Bühnenhypnotiseure ab und zu mit Probanden zu tun, die spontan in den Esdaile Zustand gingen. In diesem Zustand fühlen sich die meisten Menschen so gut, dass sie einfach in Ruhe gelassen werden möchten, um den Frieden und die Euphorie zu genießen, die sie dort verspüren. Für den Beobachter sah es aus, als seien diese Leute in ein Koma gefallen, da sie nicht mehr auf die Suggestionen des Hypnotiseurs reagierten. Die meisten Bühnenhypnotiseure besaßen nicht das Wissen, um diese Probanden wieder aus dem Esdaile Zustand heraus zu bringen. Darum wurden die Bühnenhypnotiseure oft so lange ins Gefängnis gesteckt, bis der Proband von selbst wieder aus dem Esdaile Zustand herauskam.

In den fünfziger Jahren fand Dave Elman allerdings einen Weg, Klienten sowohl absichtlich in den Esdaile Zustand hinein- als auch wieder herauszuführen. Er nutzte den Zustand für schmerzfreie Geburten und Operationen. Lange Zeit hielt man den Esdaile Zustand allerdings für ungeeignet, um damit weitergehend therapeutisch zu arbeiten, da eine interaktive Kommunikation in diesem Zustand unmöglich schien.

Das Simpson Protokoll – Interaktive Kommunikation im Esdaile Zustand und darüber hinaus

Erst vor wenigen Jahren gelang es der kanadischen Hypnotiseurin Ines Simpson eine Technik zu entwickeln, mit deren Hilfe sich selbst im Esdaile Zustand interaktiv kommunizieren lässt. Zusätzlich fand sie einen bestechend einfachen Ansatz, um die meisten Klienten schon in der ersten Sitzung in den Esdaile Zustand zu bringen. Das daraus resultierende Simpson Protokoll ermöglicht tiefgreifende Heilung durch die tiefsten Teile des Verstandes.

Dieses Verfahren ist auch und gerade für besonders analytische Menschen sehr gut geeignet, da ein bewusstes Verstehen der Vorgänge oft nicht nötig ist, obwohl dabei dennoch die Probleme an der Wurzel aufgelöst werden. Ausserdem lässt sich mit Hilfe des Simpson Protokolls selbst dann erfolgreich arbeiten, wenn der Patient nicht über sein Problem sprechen möchte oder kann.

Ultra Depth („Sichort State“)

Eine sogar noch tiefere Ebene der Hypnose ist der Sichort Zustand (benannt nach dem Entdecker Walter Sichort, auch als Ultra Depth bekannt). In diesem Zustand sind alle Skelettmuskeln völlig schlaff und es gibt wie im Esdaile State eine spontane vollständige Schmerzfreiheit.

Alle Heilungsprozesse sind in diesem Zustand stark beschleunigt. Sie laufen etwa sechs- bis zehnmal so schnell ab wie im Schlaf. Sowohl zur Stressreduzierung als auch zur Heilung nach schweren Verletzungen oder Krankheiten ist dieser Zustand sehr geeignet. Der Sichort Zustand hat im Gegensatz zu normaler Hypnose eine starke Ähnlichkeit zu Schlaf. Wer sich in diesem Zustand befindet, kann sich hinterher in der Regel nicht bewusst daran erinnern, was dort passiert ist. Eine Besonderheit des Sichort Zustandes ist, dass das Überbewusstsein dort verbal kommunizieren kann (während Bewusstsein und Unterbewusstsein eine Pause machen). Dies eröffnet auch auf spiritueller Ebene interessante Möglichkeiten zu Erkenntnis und Heilung.